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 Mittwoch, 6. Februar 2008 - 13:45 Uhr 
HuLk
2 Monate iPhone - Ein Erfahrungsbericht! *UPDATE*
Vorweg: Dieser iPhone-Hype geht mir wahrscheinlich genauso auf die Nerven wie euch. Ich bin keineswegs einer von diesen Apple-Jüngern die auch für einen benutzten Kaugummi mit Apple-Logo zwei Tage in einer Schlange stehen würden. Vielmehr habe ich der Veröffentlichung vor einem Jahr in den USA kaum Beachtung geschenkt, weil die Technik für mich damals schon veraltet erschien. Kein UMTS Handy, lausige 2MP-Kamera, Knebelverträge etc ...

Als das Iphone dann Ende letzten Jahres nach Deutschland kam (399 Euro; 2-Jahresvertrag; 49, 69 oder 89 Euro Grundgebühr, je nach Vertrag) und sich es ein guter Kumpel auch gekauft hat, wollte ich mir doch mal anschauen wieso man um dieses Telefon so ein Theater macht und habe es mir mal näher angesehen. Was mich nämlich immer schon gereizt hat war, endlich mal alles in einem Gerät zu haben. Also Telefon, Kalender, Adressbuch, E-Mail. iPod und Internet. Kurzum habe ich beschlossen meiner Freundin ein iPhone in Auftrag zu geben, was Sie mir dann auch Ende des Jahres aus Chicago mitgebracht hat. Dort muss man nämlich nicht sofort einen Vertrag abschliessen und bekommt das Gerät für umgerechnet etwa 300 Euro ohne Vertrag. Die Zwangsaktivierung lässt sich leicht umgehen.

Was einem zunächst auffällt, ist die von Apple Produkten bekannt gute Verarbeitung und die Verwendung robuster Materialien. Das Gehäuse besteht aus (eloxiertem?) kratzfestem Aluminium und das Multitouch Display aus echtem massivem Glas. Also Kein Plastik, keine Plastikfolie usw. Im Gegensatz zu den bisherigen iPods die schon vom Anschauen Kratzer bekommen haben also ein echter Gebrauchsgegenstand. Ausserdem fehlt eine Bedienungsanleitung die es nur Online als PDF gibt. Nach kurzer Benutzung merkt man allerdings, das die Bedienung wirklich so intuitiv ist, dass man auf die BDA wirklich verzichten kann! Spreizt man beispielsweise zwei Finger auf dem Display, lassen sich Fotos oder Webseiten vergrößern. Schiebt man die Finger zusammen, verkleinert sich der Ausschnitt wieder. Streicht man mit Schwung von oben nach unten über das Display, blättert der Inhalt in die entsprechende Richtung. Streicht man von links nach rechts kann man beispielsweise seine Photoalben oder Lieder durchblättern. Dabei wird auch die Geschwindigkeit erkannt und wenn man das mit viel Scwung macht, rollt das langsam aus, also bleibt nicht sofort stehen wenn man den Finger vom Display nimmt. Ob man den fest verbauten Akku als Vor- oder als Nachteil empfindet bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht aber, dass bei vielen Handys die ich kenne gerade der Akku irgendwann einen Wackler bekommt. Fest steht aber auch, dass man bei schwindender Lebensdauer eines fest verbauten Akkus zwingend auf den Herstellersupport angewiesen ist.

I/O:
Das iPhone hat fünf Tasten:
Laut, leise, Stumm, Home und Power. Wird der integrierte iPod verwendet, lässt sich über die lauter/leiser Wippe die Lautstärke der Lieder verändern, wird telefoniert die Lautstärke des Gesprächspartners. Die Stumm-Taste stellt das komplette Telefon auf stumm, auf Profile wird verzichtet. Die Powertaste schaltet das Gerät an und aus und sperrt die Eingabe bei kurzer Betätigung. Die Home-Taste bringt einen immer wieder zum Home-Bildschirm zurück. Ein integrierter Lautsprecher kann entweder zum Freisprechen oder für die iPod-Wiedergabe verwendet werden.

Integriert sind 4 Typen von Sensoren: Ein IR-Sensor der die Displayeingabe und -beleuchtung abschaltet wenn man das iPhone am Kopf hält, ein Helligkeitssensor der die Displayhelligkeit der Umgebung anpasst um Strom zu sparen, das berührungsempfindliche Display selbst und Lagesensoren, die das Bild auf dem Bildschirm je nach Lage des iPhones drehen.

Die integrierte Kamera verwackelt leicht, macht aber wenn man mal still gehalten hat erstaunlich gute Bilder. Zwischen der 2MP Handykamera von meiner Schwester (Nokia (Die sind eh böse)) und der 2MP Kamera von meinem iPhone liegen wirklich Welten. Hätte ich nie gedacht.

An Anwendungen sind dabei: SMS Programm, Telefonprogramm, ein wirklich vollwertigen Kalender, ein Fotobetrachtungsprogramm, Google Maps, Wetter, Youtube, Aktien, Weltzeituhr, Rechner, Notizen, iTunes, Adressbuch (wirklich umfangreich, nicht nur Name, Nummer und E-Mail Adresse), E-Mail Client (ebenfalls vollwertig), Browser (kann alles ausser Flash) und der iPod. Nachdem man das Telefon erfolgreich gejailbreakt hat, lassen sich noch eine Vielzahl anderer Programme installieren, doch zunächst zu den Standardapps:

Nach der ersten Benutzung mit iTunes hatte ich bereits meine kompletten Kontakte auf dem Telefon. Ausserdem waren meine Kalender abgeglichen, Geburtstage eingetragen und meine Fotos synchronisiert. Desweiteren meine beiden E-Mail Konten (IMAP) inklusive der letzten hundert Mails übertragen. Dank WLAN (WPA2 ist kein Problem) und integriertem VPN-Client (L2TP oder PPTP, leider kein IPSEC) funktionierte selbst das UNI-Wlan auf Anhieb.
Da meine Musiksammlung inklusive Podcasts nicht auf den 8GB großen Flash-Speicher des Gerätes passt, habe ich eine Playliste angelegt und ein paar Podcasts ausgewählt die er immer syncen soll.

Telefonieren ist denkbar einfach und ebenso unspektakulär. SMS Nachrichten werden in Koversationen angezeigt, ähnlich dem Nachrichtenverlauf in gewöhnlichen IM-Programmen wie Messenger, Skype und co. Die Eingabe über die Bildschirmtastatur funktioniert erstaunlich zuverlässig. Vertippt man sich, muss man einfach weitertippen. Das Gerät rät das Wort das man tippen wollte und verbessert automatisch (so wird aus ouzza automatisch pizza). Ausserdem wird der Eingabebereich der wahrscheinlich als nächstes kommenden Buchstaben vergrössert. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Nach ouzz kann ich auch noch die benachbarten Buchstaben des "A" berühren und bekomme trotzdem noch das "A". Bleibe ich für eine Sekunde auf meiner Eingabe erscheint eine Lupe und ich kann mit dem Cursor an genau die Stelle fahren, an der ich was korrigieren möchte.

Die Programme sind erstaunlich gut miteinander verbunden. Beispielsweise gehe ich auf Google-Maps, klicke einen Kontakt aus dem Adressbuch an und er zeigt mir auf der Karte wo der Kontakt wohnt. Oder er berechnet mir die Route zwischen zwei Kontakten. Blättert man durch seine Biilder, wird einem angeboten die als E-Mail zu verschicken, nach zwei weiteren Tastendrücken habe ich eine E-Mail aus dem Adressbuch hinzugefügt und das eben gemachte Photo verschickt. Bekomme ich in einer E-Mail einen Termin (z.B. "Nächsten Dienstag 17 Uhr"), wird dieser Ausdruck tatsächlich gestrichelt umrandet und ich kann ihn direkt mit einem Klick in meinen Kalender eintragen lassen und zwar echt für den nächsten Dienstag um 17 Uhr).

Da ich meinen bestehenden o2 Vertrag weiter nutze, habe ich mir ein monatliches Datenkontingent von 200 MB dazugebucht. Das iPhone kann in bestimmten Intervallen meine E-Mails checken (bei mir alle 15 Minuten) und ich brauche mir keine Sorgen mehr um meine Telefonrechnung zu machen, wenn ich mal ausserhalb des WLANs bin. Über 50 MB Traffic inklusive Surfen bin ich bis jetzt in einem Monat nicht rausgekommen. Reicht also dicke. Internet immer dabei zu haben kann wirklich praktisch sein, beispielsweise stand ich am Wochenende mit meiner Freundin am Potsdamer Platz in Berlin und habe die Nationalgalerie gesucht. Kurz nach der Adresse gegoogelt, die Adresse in Google Maps eingetippt und schon wusste ich, wo lang ich laufen musste.
Auch geht das Internet recht flott, was ich mangels UMTS ebenfalls nicht für möglich gehalten hätte. Allerdings habe ich kürzlich in einem Bericht gelesen, dass das iPhone über Edge genauso schnell war, wie ein anderes Handy über UMTS, da der schnellere Prozessor den Geschwindigkeitsnachteil wieder wett machen würde.

Schwächen die ich bisher festgestellt habe: Wenn man viel macht ist auch der Akku schnell leer genuckelt. Also länger wie zwei Tage hält der dann nicht. Ausserdem zählt das SMS Programm nicht die eingetippten Zeichen. Das mag in Ländern keine Rolle spielen wo man für SMS pauschal bezahlt, hier kann das aber ganz schön ins Geld gehen. Abhilfe: eine alternative SMS Applikation installieren, die die normale um genau diese Funktion erweitert. Die Bluetooth Integration (wenn man es überhaupt noch so nennen kann) ist ein Albtraum. Die beschnittene Funktion beschränkt sich auf ein BT-Headset, was anderes kann man damit nicht machen. Syncen funktioniert also weder per WLAN, noch per BT. Ausschliesslich per Kabel. Das ist nicht tragisch aber unnötig.

Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden, zumal der iPod Touch mit 8GB auch 280 Euro kostet. Ich denke die Investition war es wert und kann nur jedem raten es einfach mal auszuprobieren wenn er in einem T-Mobile Laden ist oder jemanden mit iPhone kennt und sich selbst ein Bild davon zu machen. Ihr werdet wenn auch nicht begeistert mit Sicherheit aber überrascht sein!

UPDATE
Gestern hat Apple das offizielle SDK vorgestellt. Dabei ist das SDK wie befürchtet nicht auf wenige Funktionen beschränkt, sondern laut Apple das offizielle SDK das auch von Apple selbst verwendet wird und Zugriff auf alles erlaubt. Dazu gibts einen iPhone Software Simulator auf dem man seine Apps testen kann und noch ein paar andere Gimmicks. Ausserdem werden die Funktionen des iPhones mit dem nächsten Update durch folgende Features ergänzt und mit Microsoft Exchange und Active Sync kompatibel werden:


Push-Mail
Push-Kontakte
Push-Kalender
Globale Adressliste
Zertifikate und Identifizierung
WPA2/802.1x
Strikte Sicherheitsmechanismen
Weitere VPN-Protokolle
Gerätekonfiguration
Remote-Wipe-Funktion zum Löschen aller Daten auf einem entfernten Gerät

mehr Infos unter http://developer.apple.com/iphone/program/
amadeus Mittwoch, 6. Februar 2008 - 18:28 Uhr
Ein wirklich vollwertigen Kalender?
Also das letzte mal, als ich mit nem EiFon zu tun hatte, war der Kalender alles andere als vollwertig. Mann konnte sich lediglich seine Termine Anzeigen lassen, aber keine neuen eingeben. Das war nur möglich, wenn man die neuen Termine in den Rechner eintippt und anschließend synct - was wiederum das AiFhon in jedem halbwegs professionellen Business-Kontext leider mehr oder weniger unbrauchbar macht und zum reinen Statussymbol, mit dem man telefonieren kann, degradiert. (Mein Boot, mein Haus, mein Schwanz Auto)

Aber sonstens schickes Spielzeug. Macht schon was her. Ich durfte mich nämlich auch schonmal ausführlich mit ’nem iPod Touch beschäftigen (wie iPhone - nur ohne Telefonieren) Trotzdem bleib ich lieber bei iPod Classic oder Nano: der hat auch 8 GB (auf die eh nich alles raufpasst) aber ist um einiges kleiner.

Na Hulkybuby, wann kaufste Dir denn nun endlich das MacBook Air? Oder haste das etwa auch schon?!?
HuLk Mittwoch, 6. Februar 2008 - 20:11 Uhr
Ein wirklich vollwertigen Kalender!
Weiss nicht ob du vielleicht ein beta iphone in den fingern hattest aber bei mir kann man den kalender bearbeiten, siehe hier beispielsweise:
http://z.about.com/d/ipod/1/0/w/2/-/-/iphone_gallery_25.jpg

klar, der nano ist kleiner aber da sind wir ja wieder beim thema: wenn du aus dem haus gehst nimmst du mp3 player UND handy mit, und schon schleppst du wieder mehr volumen mit dir rum und musst ständig jonglieren.

MacBook Air kaufe ich mir nicht. wieso sollte ich soviel geld für soviel unsinn aus dem fenster rauswerfen?

witzig ist ja, du reagierst wie viele, die das iphone sehen von wegen statussymbol und so (nochmal zur erinnerung, 300 euro ohne vertrag). wenn ich mir hingegen einen blackberry oder treo oder sowas gekauft hätte, oder irgendein popelhandy für das gleiche geld wär dir wahrscheinlich nichts dergleichen in den sinn gekommen. ich habe mir mal von dem lohn von einem ferienjob im stahlbau ein 3210 gekauft (das war das hier: http://www.tibius.be/media/gd/9.jpg) das hat mit 500 Mark also nahezu gleichviel gekostet, wobei das mit sicherheit niemand als statussymbol bezeichnen würde.

aber die reaktion ist wahrscheinlich nur ein beweis dafür, wie gut die werbestrategie von apple eigentlich ist.
schnoedel Sonntag, 17. Februar 2008 - 17:31 Uhr
Re: 2 Monate iPhone - Ein Erfahrungsbericht!
hehe, hulk und seine apple produkte:)
in der service statistik inner ct waren die apple notebooks uebrigens immer im mittelfeld.

ich hab ja immernoch meinen 4g ipod mit 20gb. da hab ich seit einiger zeit rockbox drauf installiert. die firmware hat diverse vorteile:
- man kann ne normale ordnerstruktur verwenden und den ipod wie ne wechselplatte fuellen
- der unterstuetzt ReplayGain
- Kann (ggf. automatisch) Bookmarks anlegen, so dass man ein hoerbuch auch mal fuer etwas musik unterbrechen oder den ipod mehr als 24 std. am stueck nicht benutzen darf (denn dann geht der aus und vergisst seine abspielposition bei der original firmware)

nachteil ist allerdings, dass die firmware noch nicht so ganz kontrolle ueber den akkustand hat

jedenfalls waere meine groesste scheu vor den apple produkten wie iphone, dass man da auch auf grundlegende komfortfunktionen verzichten muss zu gunsten von itunes...
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